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Turnier-Story: Wenn Hotelzimmer sprechen könnten

Rund um das Int. U19-Turniers des TuS Stemwede gibt es auch viele Geschichten abseits des Spielgeschehens. Heute deshalb ein Blick hinter die Mannschaftshotel-Kulissen!

Das Team vom FC Liverpool 2017 beim Essen im „Stemweder Hof“

„Heute brauchen die Spieler bei der Ankunft als erstes den Zugangscode für das WLan“, sagt Andrea Bäcker vom Stemweder Hof. Der Familienbetrieb ist seit der ersten Stunde Partner des Stemweder U19-Turniers und blickt auf gut vier Jahrzehnte zurück, in denen die verschiedensten Teams, Nationen und Kulturen in den Hotelzimmern Quartier bezogen haben. Wurden in den Achtzigern zunächst auch noch Mannschaften in Gastfamilien untergebracht, geht es für die Teams mittlerweile nicht mehr ohne Hotels, Rundum-Service, Einzelbetten und natürlich WLan. „Wir arbeiten mit den Hotels hier in der Region schon seit Jahren zusammen. Inzwischen weiß man, mit welchen Ansprüchen die Mannschaften anreisen und wie man ihnen gerecht wird“, so Christian Bäcker aus der Turnierleitung des TuS Stemwede. Und doch gibt es in jedem Jahr neue Geschichten und Erlebnisse, die Hoteliers und Turnierveranstalter nicht mehr vergessen. „Speziell die Essgewohnheiten haben sich extrem verändert“, so Andrea Bäcker. Essen zu streng vorgegebenen Zeiten, Wasser nur ohne Kohlensäure, eventuell mal ein bisschen Apfelsaft dazu und natürlich Mahlzeiten, die allen Kulturen und Religionen gerecht werden. „Für das Team von Ajax Capetown aus Südafrika mussten wir Halāl-Mahlzeiten anbieten, also nach den Speisevorschriften des Islam kochen. Man lernt wirklich immer wieder dazu und bislang haben wir auch jeden Spieler oder Trainer satt gekriegt.“ Jedes Jahr bereiten Andrea Bäcker und Ihr Team zudem etwa 100 Kilo Nudeln plus 100 Liter Soße zu. „Man könnte meinen, den Jungs wachsen die Nudeln irgendwann aus den Ohren, aber sie greifen doch immer wieder zu.“ In Sachen Tischmanieren sind übrigens die ausländischen Teams weiter als die deutschen Mannschaften, die lieber ihre Teller nach dem Essen abräumen lassen, als es selbst zu erledigen.

Die Turnierwoche ist für die Hoteliers tatsächlich ein Knochenjob, beispielsweise wenn Mannschaften nach den Spieltagen noch mal schnell ihre Trikots bis zum nächsten Morgen gewaschen haben wollen. Auch das wird möglich gemacht, bedeutet jedoch für die Hotelangestellten eine Nachtschicht im Waschkeller mit waschen, trocknen, Trikots falten. Nicht alle Hotelgeschichten sind zudem appetitlich, denn manch ein Team hätte sich bei der Ankunft besser eine Einweisung geben lassen sollen, wie z.B. die deutschen Toiletten funktionieren und benutzt werden. „Dann hätten sie nicht auf Eimer, Duschen oder Teppiche zurückgreifen müssen. Auch aus diesen Geschichten lernt man“, sagt Andrea Bäcker, die noch weiter aus dem Nähkästchen plaudern kann. So hätten sich beispielsweise auch nicht alle Spieler an die vom Trainer verordnete Bettruhe gehalten. Ex-Nationalspieler Marcell Jansen beichtete beispielsweise Jahre nach seiner Turnierteilnahme mit der Gladbacher U19 von seinen nächtlichen Eskapaden zum Ende seiner Jugendlaufbahn. „Unser Trainer hat gesagt, um 23 Uhr ist Bettruhe. Ich und einige andere aus dem älteren Jahrgang sind dann aus unserem Hotel ausgebüxt und haben den Abend zum Tag gemacht (Anmerkung d. Redaktion: auf dem Schützenfest in Alt-Espelkamp), weil wir einfach wussten, dass wir in der Clique zum letzten Mal zusammen sind. Aber wir wussten auch, dass wir am nächsten Tag Leistung bringen werden, obwohl wir da richtig Gas gegeben haben.“

Zwischendurch ist auch etwas Zeit zum Fußballgucken. Die Hotelfamilie Bäcker (von rechts: Andrea Bäcker, Ulrich Bäcker, Herbert Frerichs) zusammen mit Turniergründer Holger Brehme (links) während der Turniertage.

Gerade auch am Abend der Abschlussparty war jahrelang besonders viel Bewegung auf den Hotelzimmern im Stemweder Hof. „Die Mädels kamen und gingen. Zum Teil sind sie aus den Zimmerfenstern durch den Garten abgehauen. Wenn unsere Hotelzimmer sprechen könnten“, so Andrea Bäcker mit einem Schmunzeln. Gerade in den Anfangsjahren habe es Mannschaften gegeben, die sich mehr auf Party machen konzentriert hätten, als auf das Fußballspielen. „Unserer Oma ist da durchaus mal ein nackter Spieler auf dem Flur begegnet“, lacht Andrea Bäcker die dann aber hinzufügt, dass die Spieler inzwischen wesentlich disziplinierter seien, sich auf das Spiel mit dem Ball konzentrieren und sich nicht mehr so ablenken lassen würden. Generell freut man sich im Stemweder Hof in jedem Jahr auf die Gäste aus der ganzen Welt. „Man hat so viele Kontakte geknüpft und Freundschaften geschlossen und eben ganz viele unbezahlbare Geschichten erlebt.“

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